QRP-KW-Transciever aus China im Vergleich
Preiswert sind sie geworden, die kleinen Kisten aus China! Und sie können so viel, dass es lange dauert, bis man alles herausgefunden hat. Das liegt freilich auch an den nicht vorhandenen guten Bedienungsanleitungen. Aber Amateurfunk hat ja auch viel mit Fummeln, Ausprobieren und Testen zu tun. Und im Internet wird man mehr als fündig mit hilfreichen Videos und die KI erledigt blitzschnell den Rest der Unklarheiten.
Holger, DJ3BU, Leiter der CW-Conveniatrunde und begeisterter qrp-Funker, hat nun mal zwei aktuelle Chinesen in Benutzung gehabt und gegeneinander getestet. Im Urlaub an der Schlei vom Balkon der Ferienwohnung und an Bord seines kleinen Segelbootes auf der schlammigen Unterweser. Hier sein Bericht:
QRP- Das tut nicht weh!
Jedenfalls finanziell nicht. Das war nicht immer so: in früheren Zeiten durfte man allein für Bausätze von den Kleintranscievern schon tüchtig ins Portemonnaie greifen. Und das ohne Gewissheit, ob der Eigenaufbau dann auch wirklich funktionieren würde. Und die qrp-trx der bekannten Firmen waren kaum billiger als deren 100W-Geräte. Das hat sich nun grundlegend geändert, seit China ins Geschäft kam. Mit meist kopierten Entwürfen europäischer oder amerikanischer qrp-Geräte und vor allem, seit es die SDR-Technik gibt. Momentan sind China-Transceiver besonders preisgünstig und deshalb sollen hier zwei Modelle mal vorgestellt werden.
Es geht um den XIEGU G106 mit 5 W Hf (für 230€ in China oder 300€ bei einem großen deutschen Händler zu beziehen) und um den MCHF V0.6.3 , der auch noch unter anderen Namen gehandelt wird (bei verschiedenen chinesischen Online-Händlern kann man ihn zwischen 300 und 350€ kaufen). Grundsätzlich hat man natürlich beim direkten China-Kauf etwas längere Lieferzeiten, aber in meinem Fall waren das auch nicht mehr als drei Wochen bei Verkäufer Banggood. Der Service war einwandfrei und man bekam ständig Mails darüber, wo sich die Lieferung nun gerade befand und dass sie gut durch den Zoll gekommen war. Kein Ärger, nichts zu meckern an dieser Stelle.
Der MCHF bietet gegenüber dem Xiegu G106 zwei wesentliche Vorteile: erstens macht er – bei Bedarf- mehr Leistung (zwischen 15-20W HF), kann aber stufenweise runtergeregelt werden auf qrp-konforme Leistungen, etwa im Contest.
Zweitens hat er durch seine deutlich größere Bedienfläche viel mehr Knöpfe und Regler, über die man die grundlegenden Funktionen schneller erreichen kann. Aber Vorsicht: Wer glaubt, er könne sich so eine Kiste kaufen, anklemmen und dann gleich loslegen wie seinerzeit bei einem TenTec oder Yaesu FT817, der irrt! Die Displays sind zudem knackscharf, aber eben auch sehr klein. Wenn da der Graue Star schon am wühlen ist, sollte man sich besser gleich eine gute Lupe zur Seite legen, denn die Schrift kann schon verdammt klein werden auf dem Display. Und Wurstfinger eignen sich auch nur bedingt zur Betätigung der winzigen Schalter und Knöpfe. Und dann die gefühlt tausend Einstellmöglichkeiten! Und keine Bedienungsanleitung dabei. Kann man sich aber im Netz schnell besorgen, sogar auf Deutsch – mit etwas Geduld. Und was man bei einem SDR nicht alles einstellen kann! Man muss schon aufpassen, dass man nicht in irgendwelchen Untermenues rumwerkelt, damit hinter plötzlich nichts mehr funktioniert wie eingangs. Aber mit etwas Ruhe geht das dann schon. Mir jedenfalls, als Nicht-Techniker, ist es durchaus gelungen, beide Geräte „spielfähig“ ins qso zu führen.
Taugen sie was? Und welches ist besser?
Kurzantworten: Ja, sie taugen was, jedenfalls kann man damit sehr schöne qsos fahren. Und beide sind gut und unterscheiden sich in der Qualität kaum, weder in Bauweise noch in Empfangsqualitäten. Aber ich würde bei dem geringen Preisunterschied doch zum etwas größeren und stärkeren MCHF greifen. Man hat etwas „Reserve“ und man kann damit jeden handelsüblichen 100W-ATU ansteuern, was mit dem G106 nicht immer gelingt, weil seine Ansteuerungsleistung für manche Tuner nicht ausreicht, um sie in Gang zu setzen.
Und damit sind wir bei einer Sache, die beide Geräte von anderen, die deutlich teurer sind, unterscheidet: Sie haben keine eingebauten Antennentuner. Und sie haben keine eingebauten Akkus. Beides können manche verschmerzen, andere qrp-Aktivisten eher nicht. Sie mögen gern alles in einer kleinen Kiste, nur Taste und Antenne dran und dann los! Finde ich auch gut, ist aber nur deutlich teurer zu haben. Deshalb empfehle ich die beiden auf den Fotos zu betrachtenden ATUs, den ATU10 und den ATU100. Natürlich auch aus China und natürlich auch wieder von diversen Firmen dort vertrieben. Beide haben eingebaute Akkus und bistabile Relais. Wenn also mal abgestimmt wurden, kann man den ATU ruhig abschalte: er behält die Abstimmung dann bei. Aber der zieht eh so wenig am Akku, dass man damit eine ganze Saison funken kann. Und dann wird er an USB-C wieder schnell aufgeladen. Gutes System, finde ich. Zum G106 also den kleinen Tuner (ca. 50 Euro) und für den MCHF den etwas größeren (ca. 65 Euro). Auch sehr preiswert geworden, wenn man so an früher denkt. Und als Akku kann man sich sehr günstige Lithium-Akkus aus dem Modellbau zulegen, die klein sind und lange halten. Jedenfalls bei 5-10W Ausgangsleistung.
Die Empfangsleistung beider Geräte ist ausgezeichnet, wer gern viel action auf bunten Displays liebt, der wird dem MCHF den Vorzug geben. Filterbreiten kann man etliche einstellen, und so kommen auch schwache Stationen in starkem Umfeld noch zu guter Lesbarkeit. Und SSB geht freilich auch und ein Mikrofon gehört jeweils zum Lieferumfang. Beim MCHF kann man sogar das CW noch dekodieren lassen, sendeseitig schreibt er eh immer eine Zeile voll, empfangsseitig kann man zusätzlich einstellen.
Voll qsk ist nicht anzuraten, da beide Geräte über Relais umschalten, was zu nervigem Klackern führt und sicher auch zur Reduzierung der Relais-Lebensdauer. Aber alles lässt sich ja einstellen. Und man kann sogar seinen PC mit großem Monitor anschließen, wenn einem das ein Bedürfnis sein sollte.
Fazit: Viel Gerät für wenig Geld. Bei beiden. Gute Bauqualität. Aber man braucht vielleicht ein oder zwei Valium-Pillen, um sich beim Gang durch die Menüs nicht in Rage zu bringen, wenn’s denn nicht gleich so fluppt, wie man möchte. Für den Urlaub genau das Richtige: die ersten Woche studieren, die zweite Woche senden! Und man wird dann immer noch nicht alle Funktionen entdeckt haben, die in den kleinen Kisten lauern. Aber wozu auch. Ein ganz normales CW-QSO kann man in überschaubarer Zeit absenden, und darauf kommt es ja an. Ich habe übrigens beide mit Langdrähten betrieben, mal um eine 10m Angelrute gewickelt und vertikal, mal quer in einen Baum gespannt. Mal mit UnUn und mal ohne. Irgendwie geht’s immer und das ist ja der Reiz, dass man die Optimierung dann immer noch austesten kann.
Also, liebe Conveniat-Freunde: Schöne Geräte, um sich selbst zu belohnen, ohne das Erbe ernsthaft angreifen zu müssen. Schöne Geräte, um damit in die nächste Conveniat-CW-Runde einzusteigen, die garantiert am kommenden Donnerstag auf 3.562 KHz um 2100 local time stattfinden wird! Macht’s einfach wie der Alfred: noch einmal trocken üben, und dann rein in die Runde! Ich werde Euch schon hören….und lesen können!
Holger, DJ3BU






